Einordnung von Flattr

Generelles Zum Thema Persönliche Daten und Soziales Internet

Wer hier gelegentlich ließt, der weiß, wie ich zum Thema soziale Netze stehe (plapperVZ ist ansonsten ein guter Start :)).

Nun ist es ja nicht so, dass ich den Wert solcher Dienste nicht sehen würde, nur fürchte ich mich unglaublich davor, einen derart intimen Einblick in mein Privatleben zu gewähren.

Es gibt absolut keinen Grund, anzunehmen, dass der Betreiber für immer und ewig GUT bleiben wird, oder die erfassten Daten vernichtet, bevor er seine Gesinnung wechselt. Von externen Parteien wie bösen Hackern oder dem Interesse diverser Institutionen will ich hier mal gar nicht erst anfangen.

Daher stellt jede erteilte Information zunächst einmal ein unkalkulierbares Risiko für die Zukunft dar und es gilt grundsätzlich immer zwischen dem möglichen Mehrwert und diesem Risiko abzuwägen. Ich für meinen Teil habe entschieden, dass der Nutzen sozialer Dienste auf keinen Fall mehr wiegt als das Risiko einer Datenpanne oder des geänderten Wertes der gegebenen Informationen in der Zukunft (Ich denke der Wert [m]eines persönlichen sozialen Netzwerkes ist bereits heute extrem hoch).

Flattr

Nun ließt man seit geraumer Zeit hier und da Verschiedenes zum Thema Micropayment. Flattr ist dabei vor nicht allzu langer Zeit angetreten und in der Blogosphäre zu einem regelrechten Hype mutiert.

Ich selbst investieren nur einen sehr kleinen Teil meiner Freizeit zum bloggen und bin ehrlich gesagt weder bereit für private Meinungen zu zahlen, noch erwarte ich für meine eigene Geld. Also gab es zunächst überhaupt keinen Grund, mich mit dem Thema zu beschäftigen.

Einordnung

Da nun aber gleich mehrere Leute in meinem direkten Umfeld unter dem Motto “im Schlimmsten Fall kommt nix bei raus” einen Flattrbutton unter ihren Beiträgen platzieren, schien es an der Zeit sich doch einmal damit auseinander zu setzen.

Also auf gehts:

  1. Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen lesen
  2. Möglichen Nutzen überschlagen (Heuristik: durchschnittliche Anzahl der Kommentare pro Post … oh, da wird wohl nicht viel rauskommen ;))
  3. Abwägen

Tja, nach Punkt eins hab ich abgebrochen.

Social sharing of data: Flattr allows other users to browse things that you have Flattred, submitted or commented on. This information is made available publicly via your User Profile, via the public API, or within the permalink URL of the website on which you performed the action. Flattr may choose to post this data on other site features.

Bedeutung und Mecker

Während im Falle von Facebook, StudiVZ und Co. “nur” der Betreiber und die “Freunde” über mich, meine Kontakte und Interessen Bescheid wissen, kann es bei Flattr potentiell JEDER! Und der interessierte Dataminer kann alles schick via API maschinenlesbar abrufen (obgleich das gemäß der AGB untersagt ist).

Das Beste dabei ist, dass durch die geflatteten Beträge meine Interessen auch noch gewichtet sind.

Voller Neugierde hab mir mal die Profile einiger Leute angeschaut, die schon länger Flattern (Button und Profil lassen sich in jedem Fall einander zuordnen) – interessant interessant.

Ja sag’ mal, gehts noch? Wie kann man sich denn nur derart nackig machen und sich auf der anderen Seite über die Wissensbegierde des BKA ärgern?

Liegt es wirklich an der Aussicht auf einen winzigen Gewinn, dass selbst Leute, die ich persönlich für intelligent und kritisch halte, auf deren Meinung ich viel gebe und die ansonsten immer die Fahne der Privatsphäre hochhalten hier schwach werden? Oder ist es vielleicht einfach dass ständige Einwirken der allgegenwärtigen Facebooker und Twitterer, die die eigenen Bedenken allmählich aufweichen?

Manchmal stelle ich mir ernsthaft die Frage: Bin ich paranoid oder ist der Rest der Welt zu unkritisch?

Auch wenn alle einer Meinung sind, können alle Unrecht haben. (Bertrand Russell)

Links

Kurz vor dem Klick auf den Publishbutton hab ich mich noch einmal schnell umgeschaut und ein paar interessante Beiträge zu dem Thema gefunden. Einige davon gehen dabei noch viel weiter als mein egoistisches Privatsphärengebabel.

4 thoughts on “Einordnung von Flattr”

  1. Nur am Rande, auch Flattr bietet seinen Nutzern Möglichkeiten der Anonymisierung. Weder muss man seine Things (so werden die Einträge genannt) öffentlich zugänglich machen, noch muss man öffentlich zugänglich machen wen oder was man geflattert hat. Damit reduziert sich die Bosheit wieder auf das übliche Niveau vom Vertrauen in den Anbieter.

    1. OK, von dem Privacy-settings erfährt man erst nach der Anmeldung. Das relativiert die ganze Sache zumindest etwas. Nichts desto trotz teilt man Flattr seine gewichteten persönlichen Interessen mit. Und ausnahmslos alle, deren Profil ich mir gestern angeschaut habe, scheinen sich für diese Einstellungen nicht zu interessieren.

      1. Muss ich nachher gleich nochmal ergründen wie die Standardeinstellung ist.

        Mit den Interessen ist das in meinen Augen auch wieder eine Sache der persönlichen Entscheidung. Klar kann ich daher gehen und Einträge zum Thema Alkoholismusprobleme flattrn woraus abzulesen ist das ich damit auch ein Problem habe. Ich kann aber auch hingehen und hergehen und dem Entwickler einer kleinen Bibliothek oder eines Firefox Plugins einen Flattr zukommen lassen, was liest man dann davon ab? Das ich ein Nerd bin, das ich ein Softwareentwickler bin?

        Das reine Übertragen von Blogeinträgen oder Inhalten zu Flattr halte ich für absolut unbedenklich, das ist nichts was nicht eh schon öffentlich einsehbar ist. Flattr ist dahingehend einfach nur ein weiterer Distributionskanal.

        Was das flattern an sich angeht sehe ich das ähnlich kritisch wie du. Hier gibt man Informationen über sich preis die sonst nur sehr schwer zu erlangen sind. Der Klick auf einen Flattr Button sollte also immer wohl überlegt sein.

        PS: Na toll jetzt hab ich als Captcha Code RRTL 😛

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